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Mit dem anberaumten Abschluss der Reihe um Infizierte in Spanien geht Regisseur Jaume Balagueró aufs Schiff und schmeißt zuvor sämtliche Handkameras über Bord. Für ein Finale, welches alle Fäden zu einem stimmigen Abschluss verweben sollte, fällt der vierte Teil allerdings nicht allzu kreativ aus.

Ángela (Manuela Velasco) hat den Ausbruch der Seuche im Hochhaus überlebt und befindet sich nun mit einigen anderen Patienten auf einem ausrangierten Öldampfer in der Obhut forschender Ärzte. Doch dann bricht der Wirt der Seuche aus und rasch verbreitet sich Panik auf dem Schiff...

Während der Vorgänger bereits die Handkamera weitgehend ablegte, kommt "Apocalypse" gänzlich ohne aus und lässt nur kurz Bilder von Überwachungskameras einfließen.
Inhaltlich knüpft der Teil relativ nahtlos an den Vorgängern an, während die Ereignisse im Hochhaus kurz noch einmal angerissen werden, zumal hier der Kern der Seuche vermutet wird.

Leider fallen die Figurenzeichnungen auffallend dürftig aus, denn Ángela bewegt sich stets ein wenig unentschlossen zwischen Flucht und Gegenangriff, hinzu kommen zwei dubiose Begleiter, ein Nerd am Rechner, ein ruchloser Arzt, ein Koch und einige Randfiguren, welche früher oder später infiziert werden. Bis zum Ausbruch und entsprechenden Konfrontationen vergeht zwar einige Zeit, doch als es in der Kombüse schließlich abgeht, warten diverse Actionszenen mit ein paar blutigen Einstellungen und knackig inszenierten Fights auf. Spätestens beim Zweckentfremden eines Schiffsmotors erscheint eine FSK16 reichlich fragwürdig.

Im Verlauf wird die eigentlich klaustrophobisch anmutende Kulisse der engen Gänge zu wenig genutzt, viele Szenen sind auf Krawall und schnelle Schnitte gebürstet, doch zu selten wird dabei Spannung erzeugt. Zudem wird die Erzählung verhältnismäßig ideenlos abgespult, da sie den allseits bekannten Pfaden folgt, was ihn kaum mehr vom üblichen Zombiefilm unterscheidet. Bezüge zu den drei Vorgängern sind vage und die Suche nach des Pudels Kern gestaltet sich trotz kleinerer Wendungen nicht sonderlich überraschend.

Handwerklich zeigt sich Balagueró sehr sicher, das Make-up kommt gut, die wenigen Effekte sind solide, der Score treibt ordentlich an und auch die Kamera arbeitet okay. Darstellerisch wird indes allenfalls Mittelmaß geboten, allerdings ist auch keine Figur so ambivalent angelegt, um wirklich etwas abrufen zu müssen.

Der Wettlauf gegen die Zeit, welcher das Finale auf dem Schiff einläutet, steigert zwar noch einmal das Tempo, es lässt jedoch einige grundlegende Fragen außer Acht und kommt stattdessen gegen Ende mit einem Cliffhanger um die Ecke, um sich eventuelle Türen für weitere Fortsetzungen offen zu halten.
Nach dem genialen "Sleep Tight" wuchsen die Erwartungen gegenüber Balagueró, welche er mit " [REC] 4 - Apocalypse" leider nicht erfüllen kann. Das intensive Mitfiebern des Originals weicht austauschbarer Action mit einigen Gewalteinlagen, was auf atmosphärischer Ebene als auch storytechnisch spürbar ideenlos daherkommt.
5 von 10

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